Vor einigen Jahren sorgte der ehemalige Finanzsenator Sarrazin mit seinem Buch “ Deutschland schafft sich ab“ für großes Aufsehen bei vielen Menschen, die sich selbst als gute Demokraten und treue Bürger unserer Republik fühlen, ja, das ging soweit, dass Sarrazin von der von mir als „seriöse Presse“ bezeichneten Medienformate wie SZ, ZEIT, FR und taz als rechtsextremer Brandstifter bezeichnet wurde und per verbaler Attacke aus dem Kreis „ernst zu nehmender Autoren und Politiker“ ausgeschlossen wurde. Sarrazin schrieb weitere Bücher, rückte tatsächlich immer weiter nach rechts und wird heute in der rechtspolitischen Szene, die inzwischen mit der Partei AfD fast ein Drittel in den Umfragen an Bevölkerungszuspruch zu verzeichnen hat, als „wach gewordener Konvertit des linksliberalen Spektrums verehrt wird“. Endlich hat einer den Zustand der Republik begriffen und ist aus der kompromisslastigen Ecke der Verblendeten Demokratiegroupies übergelaufen und sagt den Menschen mit vielen (nicht immer nachzuprüfenden Zahlen und Ansichten) endlich die Wahrheit über den Zustand unserer Gesellschaft, die wiederum von rechtsextremen Überzeugungstätern eher als versifft, abartig und kulturell verloren beschimpft wird. Dieser politische Bruch mit seiner Partei, der SPD, wird von dem rechten Spindoctor und Rechtsextremisten-Meinungsverdrehers Götz Kubitschek und vielen anderen, sogenannten ideologischen Vordenkern eines rechtskonservativen Staates und einer völkischen Gesellschaft auch als Wendepunkt im politisch kulturellen Leben beklatscht. Unsere auf dem Grundgesetz basierten Regeln in Form von festbetonierten Grundsätzen in den Artikeln 1-146 ist das Fundament einer freiheitlich demokratischen und solidarischen Gesellschaft oder sollte es zumindest sein. Aktuell drängt sich der Eindruck auf, dass zumindest eine beträchtliche Zahl der Bürger des Landes einige der Basisartikel dieses 1949 in Kraft getretenen Regelwerkes des gesellschaftlichen Zusammenleben entweder vernachlässigt, ignoriert oder als überflüssig erachtet und dementspechd eliminiert gehört. Diese beängstigende Tendenz begann meiner Ansicht um die Jahrtausendwende nach der weltweiten Eroberung der Digitalität, der darauf fußenden globalisierten Gesellschaft und der medialen Überfrachtung vieler undemokratischer, antikultureller viraler Informations- oder Meinungsaustauschsformate.
In den USA, deren risikofreudige Investorenlandschaft wohlhabender Finanzjongleure in jener Zeit immer neue Publikumsmedien gebar, können wegen entsprechend fehlender Gesetzesbestimmungen, derartige Projekte in Windeseile in Tat umgesetzt werden, ohne dass regulierende Eingriffe seitens des Staates zu befürchten waren. Was sich da zusammenbraute wurde von uns Europäern zunächst belächelt und als typisch amerikanischer Quatsch abgetan und nur eine kleine Gemeinde eingeweihter Technikernerds kam auf die Idee selbst ans Werk zu gehen, weil Zukunftsauguren genau erkannten, dass damit eine revolutionäre Entwicklung begann, die alles verändern würde. Mark Zuckerberg, ein Student an der Harvard Universität, entwickelte den Plan, alle Studierenden zu erfassen und eine virale Community des Austauschs zwischen allen Harvard Eingeschriebenen zu installieren. Zuckerberg, der im übrigen ohne einen Funken Empathie und Solidarität seine Mitstreiter verriet und ausbootete, erfand die Kennenlernmasche „Facebook“. An anderen Universitäten oder in Garagen und Kinderzimmern folgten YouTube, google, Instagram, WhatsApp, Amazon, Ebay, AirBnB und aktuell AI (KI) als programmatische Kommunikationsplattformen für jedermann/jederfrau. Die Macher, überall fanden sich computeraffine junge Männer, meistens waren es männliche Forscher, programmierten ihre innovativen Ideen für eine digital vernetzte Zukunft und aus den oft erfolgreichen Ergebnissen entstanden kleine Unternehmen, die heute weltweit als Giganten der Techbranche die gesamte mediale Welt inclusive Information, Kommunikation, Fiction Sex und Crime. Die dazugehörige Hardware lieferten wiederum andere Digitalnerds und mit windows von microsoft und dessen Mastermind CEO Bill Gates wurde eine tragfähige technologische Plattform erfunden, die von Anfang mit IBM den gesamten Markt über alle Grenzen der USA beherrschte. Apple (iPhone, Mac), Dell Technologies (PCs, Server), Hewlett-Packard (HP) schufen weitere digitale Apparate, sogenannte Personalcomputer, die für jedes Unternehmen und in jeden Haushalt als Informationsgeräte sehr schnell nicht mehr wegzudenken waren. Jenseits der allgemeinen Informationstechnologie boomten bald Meinungs-, Mobbing-., Hass-, Porno- und natürlich Produkthersteller- bzw. -vermittler als vielschichtiges Sammelsurium, das in den letzten 25 Jahren in jeden Haushalt und in jedem Büro nicht mehr weg zu denken waren. Ein mächtiger, alles verschlingender Digitaltsunami überschwemmte den Planeten. Die Menschheit griff freudig zu, auch weil mit Hilfe der kaum mehr zu zählenden Geräte, alle mit einem Bildschirm ausgestattet, zumindest der Kommunikationsfluss zwischen den die Geräte nutzenden Menschen schneller, günstiger und vielfältiger ermöglicht wurde. Über einen Bildschirm fällt es jedem User leichter komplexe Zusammenhänge besser zu verstehen, selbst kreativ zu werden, leichter zwischen unterschiedlichen Problemstellungen zu navigieren und sich dabei noch unterhalten zu lassen.
Von staatlicher Regulierung oder eingrenzenden Gesetzen war in den Babyjahren des Computer mit den täglich sich wie von selbst vermehrenden Softwareprogrammen keine Spur zu entdecken. Im Silicon Valley als bekannteste Brutstätte der neuen Technologien war seitdem alles möglich und weil alle Welt in immer schnelleren Abständen gierig nach neuesten News suchten, wurden die jungen Zauberlehrlinge aus der Techblase immer reicher, immer übergriffiger und seit der verwirrenden Antipolitik der Trump-Regierung immer rechtslastiger. Wo sich kein Staat kümmerte und gegebenenfalls eingriff, um die Gesellschaft auf die Gefahren der neuen Informationsbrutstätten aufmerksam zu machen, war alles möglich. Das Wenige, was bisher unter dem Deckel gesetzeskonformer Regulation gehalten wurde, überforderte alle Kontrollmechanismen und ergoss sich über die gesamte Welt. Der Geist aus der Flasche hatte sich selbständig gemacht und von nun wurde es immer schwieriger die Auswirkungen der neuen faszinierenden Möglichkeiten, alles tun und lassen zu können, was aus den Programmierunternehmen auf den Markt geworfen wurde, wieder einzuhegen. Im Gegenteil. Dieser Geist kroch in jeden Winkel, schob sich unter jeder Türspalte hindurch, spazierte durch die dicksten Mauern und selbst die meterdicken Wände des Pentagon oder die sichersten Tresore, um Geheimes weiterhin vor den Augen der Öffentlichkeit zu verstecken, fanden nur spärliche Gegenmittel, um die schlimmsten Eskapaden aus den neuen Techlabors zu verhindern.
Es gab kein Entrinnen mehr und wenn ein Phänomen nicht mehr zu bändigen ist, nehmen wir es und machen es für unsere Zwecke nutzbar und die Profiteure kamen aus den Reihen derjenigen, die alles erfunden hatten. Die zogen den Reichtum wie Magneten an und stiegen mit der Hausse der digitalen Weltrevolution zu den Supermilliardären auf, eroberten mit den der millionenfach gebauten Computern den Olymp der Wirtschaft und waren bald zu mächtig, um noch fallen zu können. Sie ernteten die Saat, die sie verstreut hatten und die überall emporsproß, als beständig steigende Rendite, die ihresgleichen suchte. Sie beanspruchten Teile der Macht, die bislang der Staat als Hüter und Bewahrer der menschlichen Gesellschaft vermeintlich in den Händen gehalten hatte und drängten im Zuge dessen alle demokratischen Werte peu a peu zurück oder ignorierten alle Warnungen wissenschaftlich geschulter Kritiker.
Die Demokratie, also die Form in der alle Menschen eine Stimme haben, um auszuwählen, wer sie in Zukunft regieren würde, konnte ohne große Mühe ausgehebelt werden, weil das in der Verfassung verankerte Recht als neutrale Institution zwischen Regierung und Gesellschaft löchrig, einseitig, langsam, korrumpierter und manipulierbar war. Diese im Sinne der herrschenden Macht tätige Justiz, die teilweise wie ein Staat im Staate unkontrollierbar wurde, machte es erst möglich, dass alle Werte und der die verbriefte Teilhabe an der Solidargemeinschaft die Bürger zu benachteiligen begann und die wenigen Reichen, denen fast alles gehört, mit Bevorzugungen überhäufte.
Die Diskrepanz zwischen dem Recht jedes Einzelnen mit seiner Stimme die eigentlichen Entscheider zu sein und staatliche Entscheidungen der gewählten Volksvertreter in parlamentarischen Prozessen zu verabschieden kollidierte mit einem bieg- und fügsamen, teilweise einseitigem Justizapparat als die entscheidende Schwachstelle, die jeder demokratischen Gesellschaft und vor allem den Souverän, den Wähler ohnmächtig zurücklässt. Jeder gewählte Abgeordnete, der über einen Wahlkampf zu seinem Sessel im Maschinenraum der Macht gelangt ist, kann ohne den Willen der Wählenden mit Hilfe von Parteidisziplin und eigentümlichen Rechtsauffassungen im Prinzip alles beschließen und dirigieren, was er letztlich für seine Person als positiv profitabel erachtet.
Die Chinesen, aber auch Südkorea, Taiwan und in den Startlöchern will Vietnam losspringen, ließen sich nicht lumpen, um im internationalen Wettbewerb im Tanz um den permanenten Gold scheißenden Esel (Bürger) ebenso ihren Teil abzugreifen und die ChinaPlankommunisten katapulierten Ali Baba, TikTok und Temu in den schon lange bereit stehenden großen Kessel mit giftige Sauce aus der Küche der im digitalen Orbit schwebenden Menschheitsverächter und -zerstörer.
Die aus kleinsten Anfängen entstandene digitale Vorherrschaft der Welt ergriff alle, versklavte sie, wusch deren Gehirne und ebnete in den meisten Staaten der Erde dem Rechtspopulismus und in Folge dessen dem Faschismus den Weg in eine Zukunft frei machte, die mit Verachtung auf die Demokratie und alle demokratischen Prozesse herabschaute.
Dass ausgerechnet in allgemein als demokratisch verorteten Staaten der Hang zum Rechtsextremen, zum Nationalen, zum Völkischen oder zum ethnisch Reinen in einer aufgeklärten, reichen und rundum abgesicherten Gesellschaft so populär wurde, mag viele Beobachter der westlichen Welt verwundern und erschrecken, aber das Problem mit Populismus und autokratischen Verhältnissen ist nicht einfachzu erklären.
Gerade bei uns Deutschland, die wir vor 81 Jahren den Schrecken der Unterdrückung und des Massenmordens durch den Faschismus mit Hilfe alliierter Militärallianzen in einem blutigen Kriegsszenario abgeschüttelt haben, sollte man als mündiger Bürger zutiefst verunsichert sein, dass eine rechtsextreme Partei mit einem eindeutig faschistoiden Programm einen derartigen Zulauf aus allen Schichten der Gesellschaft verzeichnen kann. Aufgrund der Wählerwanderungen, die von den Demoskopen analysiert werden, wissen wir, dass ausgerechnet die 18-24jährigen, wahrscheinlich bis zu den Dreißigjährigen, die AfD als demokratische Partei anerkennen und deren dubiose Gestalten aus der Alterskohorte weißer Männer wählen. Diese erschreckende Tendenz zieht sich durch alle sozialen, religiösen, teilweise migrantischen und den demographisch schon Rente beziehenden Bürgern. In den älteren Generationen ab 65, von vielen erstaunt wahrgenommen, vermeiden viele, dieser Partei ihre Stimme zu geben, was vielleicht daran liegt, dass sie noch wissen, was der Nationalsozialismus in Deutschland angerichtet hat. Kann es sein, dass Geschichtsvergessenheit ein Grund dafür ist, dass die jüngeren Wähler ohne Gewissensbisse Faschisten ins Parlament wählen? Im Osten Deutschlands nimmt die rechte Partei in allen Umfragen der bald wählenden Bürger in MeckPom, Brandenburg und Sachsen Anhalt die Poleposition ein, in Sachsen liegen CDU und AfD gleichauf. Mitleid und Enttäuschung erlebt die ehemalige Arbeiterpartei SPD, die sich immer als rechtmäßige Stimme der arbeitenden Bevölkerung gesehen hat. Eine für die Demokratie schädliche Bilanz, die in allen Bereichen Deutschlands verräterische Spuren hinterlassen hat. Was, Wie oder Wer kann diese wichtige Traditionspartei noch retten? Wer innerhalb der Partei verkennt, dass die sich das Bild des Arbeiters in allen Berufen dramatisch um 180 Grad gedreht hat und kein Rezept findet, die breite Unterschicht und die linksliberale Facharbeiterschicht zu mobilisieren, wird noch einen steinigen Weg gehen müssen, um irgendwann einmal mindestens 20-25% der Wähler auf sich einzuschwören. Menschen aus allen demographischen und sozialen Schichten des Ostens scheinen allerdings blindlings den Rattenfängern der AfD hinterherzurennen. Vielleicht gewinnen sie tatsächlich in einem Bundesland die absolute Mehrheit und müssen Regierungs-verantwortung übernehmen, wenn das geschehen sollte, müssen sie zeigen, ob ihrer Großmäuligkeit mit wirren politischen Rezepten auch entscheidende Taten der Veränderung folgen. Die Beispiele aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Italien oder Österreich zeigen, dass jede Wahl zwischen gemäßigten bis sozial Liberalen und radikalen Rechtsextremen stets ein Ritt auf der Klinge der Hoffnung ist. Spanien beweist das Gegenteil, auch wenn im Süden des Landes eine rechtsextreme Partei zur Vorsicht rät. Den Spaniern stecken die Morde und die Unterdrückungen des Franco-Faschismus, der 1978 endete, noch in den Knochen. Mit dem charismatisch auftretenden Pragmatiker Pedro Sanchez, der schon einige Verwicklungen und Angriffe überstanden hat, wurde eine sozialistische Regierung zur Macht geführt und diese über eine Wahlperiode erhalten.
Liegt der entscheidende Dreh bei den Sozis im Fehlen einer charismatischen und glaubwürdigen Führungspersönlichkeit? Eindeutig ja. Auch wer Gerd Schröder heute für einen Narr und verlogenen Russenfreund hält, vergisst vielleicht, dass er 1998 die Wahl gewann und 2002 erneut. Der Machtmensch mit Machoallüren bewies die These vom politischen Macher mit Charisma, der mit seinem Auftreten, seiner Rhetorik und seinem politischen Gespür Menschen für die SPD ködern konnte.
Was treibt die Menschen in einem reichen und sozial einigermaßen gut strukturierten Land an, sich in die Hände einer möglichen Autokratie unter Rechtspopulisten und -extremen zu begeben? Welche Parameter könnten aufklären, was für einen Bürger eine „Quasidiktatur“ bedeutet und was er sich von dieser Staatsform verspricht. Schauen wir ins Ausland. Orban in Ungarn wurde nach 15 Jahren rechtspopulistischer Autokratie von den Wählern abgestraft und aufs Altenteil gedrängt. Die Scharfmacher der PiS in Polen erlitten ein ähnliches Schicksal. Die Ukraine wehrt sich in einem Abnutzungskrieg seit vier Jahren gegen die russische Übermacht des Neoimperialisten Putin. In Frankreich stehen nächstes Jahr Wahlen an und immer heißt die Gretchenfrage: Schafft es der RN mit der rechtspopulistischen LePen-Clique in den Elysée-Palast oder gibt es wie seit Jahrzehnten wieder eine Allianz aus links und konservativ, um den smarten Jungrechten Bardella abzuwehren?
Um das aktuelle Geschehen in Europa besser zu verstehen, muss ein Blick zurück in die Geschichte geworfen werden.
Was lehrt uns die Kirchenspaltung unter Luther, was bewirkte Gutenbergs Buchdruckerfindung, was die aufrüheriscyhen Texte der französische Revolution 1789 oder die philosophisch konnotierte Aufklärung europäischer Denkgiganten? Wie hat die explosive Entstehung der Massenproduktion im Kapitalismus an entscheidenden Impulse für die Zukunft eingeleitet, wie sind die wütenden und den Feudalismus angreifenden Arbeitskämpfe des 19. Jahrhunderts zu bewerten und welche entscheidenden Lehren müssen wir aus den beiden Weltkriegen mit Millionen Toten des 20. Jahrhunderts ziehen und was geschah nach der Befreiung oder Souveränität der ehemaligen Kolonien?
Die uns bekannte Welt, die prinzipiell zuvorderst den Menschen in den Mittelpunkt stellte, die Erde und die Natur nach dem Motto, macht euch die Erde untertan, ausbeutete, Wachstum für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen zwar generierte, aber durch Fließbandarbeit und Automaten sich selbst entfremdete, ging als überholte Grundlage in den neu entstandenen Staatsgebilden verloren. Die wertvollsten Erkenntnisse im Streben einer harmonischen Weltgemeinschaft im Einklang mit der Natur und den meteorologischen Voraussetzungen wurden der Vereinzelung, der Gier, einer durchgetakteten Nine to Five-Work-Eat-Sleep Formel mit kleinen Unterbrechungen geopfert. Wer wie Schopenhauer eher skeptisch auf die Menschen und die Welt schaute, würde dem entgegen, dass der Mensch mit seiner Geburt auch seinen Tod erbte – die Erde mit ihren inzwischen fast 8 Milliarden Menschen erlebte ihren Beginn vor 60.000 Jahren wird vielleicht im nächsten Jahrhundert notgedrungen ein Ende finden. Der Klimawandel, der nach neuesten Beobachtungen tatsächlich eine Klimakatastrophe ist, wird wie in den vorangegangen Zeiten all die von Menschen verübten Verbrechen an der Erde bestrafen und auch, wenn die aktuelle Weltlage kaum Hoffnung zu bieten hat, um der ungerechten und degradierenden Kluft zwischen den Habenden und Nichthabenden ein Ende zu bereiten. Seit jeher haben Gier, Unterdrückung und Weltverachtung die Habenden gefüttert haben und auch aktuell gibt es keine revolutionären Ideen, um jede Ausbeutung und Benachteiligung zu beenden.
Es ist höchste Zeit, dass eine radikale und mit verträglichen Regeln gespickte neu zu erfindende Weltordnung, die Erde mit seinem Mutterboden und allem was wächst und unter der Erde zu finden ist, in einem sehr langen Prozess allen Menschen rechtmäßig wiedergegeben wird.
Dieses Rezept wäre einschneidend und könnte die Welt auch in einem riesigen Knall zerstören. Die Mittel dafür sind vorhanden. Keiner der aktuell existierenden reicheren und zivilisierten Staaten der westlichen Hemisphäre würde diese Herkulesaufgabe der Neugestaltung wagen, die mit unglaublicher Wucht verbunden sein wird. Einige Staaten würden sich wahrscheinlich komplett zerlegen, was vielleicht für einige Failing States wie eine Bereinigung wirken könnte. Die kaum zu bändigende Macht und Besessenheit einzelner Superreicher muss gebändigt und zerstört werden. Kein einzelner Mensch darf jemals wieder soviel mehr an Reichtum anhäufen wie zehntausende Andere, die täglich ihr Leben mit dem Einsatz von Körper und Geist erarbeiten müssen. (Der reichste Mann der Welt Elon Musk verdient in einer Minute und 47 Sekunden soviel wie das durchschnittliche britische Jahresgehalt von 29.600 Pfund (etwa 35.300 Euro in einem Jahr 18.553.680.000 Euro soviel wie der Jahreshaushalt von Rheinland-Pfalz) Wahrscheinlich könnte Musk Jahresverdienst zahlreiche als arm geltende Länder Afrikas am Leben erhalten. Jeder noch so geringe Frevel an der Natur und und jede Auseinandersetzung zwischen Menschen wird geahndet, auch wenn die beiden vorangegangenen Überlegungen allein aus Impulskontrolle kaum noch möglich sind. Jede Zerstörung menschlichen Lebens aus niedrigen Beweggründen muss drastisch bestraft werden, um zu zeigen, dass menschliches Leben als unantastbar angesehen wird. Alle Menschen werden endlich vom Status des menschlichen Seins gleichwertig sein. Ob es sich um die Gleichstellung zwischen Mann und Frau, der gleichen Wertschätzung und juristischen Aufwertung aller ethnischen Völker oder aller wie auch immer selbst gestalteten Minderheiten wie aller religiösen Gruppierungen handelt oder die gemeinsame Rettung allen Lebens – ob über oder unter Wasser.
Die erste und zentrale Maßnahme muss das Ende des exorbitanten und obszönen Reichtums einzelner Menschen sein, deren kaum zu fassender Besitzumfang nur herumliegt oder als materieller Wert in einem kaum zu bemessenden Immobilienbesitz einer weltweiten Milliardärs und Multimillionärsclique, denen unzählige Bauwerke wie Schlösser oder unbewohnte 180 Zimmer Bauwerke gehören. Diese Multi-Billionen, verteilt auf alle, wird Hunger, Armut, Naturzerstörung, Kriege, Ungerechtigkeiten und Unterdrückungen aller Art in einem zugegeben langwierigen Prozess, der für alle obligatorisch sein wird, künftigen Generationen zum Wohle gereichen. Diese Maßnahme ist schon seit mindestens 250 Jahren überfällig und mutierte zum Sprengstoff für die menschlichen Gesellschaften werden, weil fast alle Verfassungs- oder Regelsysteme der Vergangenheit jedem Menschen alles erlaubte und wenn es mit Macht, Mord, Lüge und Diebstahl in raffinierter Form durchgeführt wurde.
In einigen kleinen Ländern dieser Erde wurde schon vor einiger Zeit damit begonnen, diese wichtigen Denkprozesse und Einsichten zu verwirklichen und schauen wir nach Buthan, sehen wir, dass aus kleinen Anfängen Großes geworden ist und das kleine Land schreibt sogar ein ernst zu nehmendes Glücksversprechen in den Grundstatuten fest. (Keine Schaumschlägerei wie das der USA). Schauen wir nach Uruguay, wo ein einfacher, den Werten der Aufklärung verpflichteter Mann, der lange inhaftiert war, Staatspräsident wurde und Veränderungen auslöste, die vielen Menschen als Lebensrettung zu Gute kamen. Schauen wir in die Vergangenheit, als indigene nordamerikanische Stämme oder Gruppen als Nomaden lebten und alles, was sie erarbeitet oder erwirtschaftet oder erjagt hatten auch allen zu deren Wohl gegeben wurde. Viele der Häuptlinge versuchten zu erklären, dass es genauso unmöglich sei, das Land zu verkaufen, wie einen Teil von sich selbst zu verkaufen, da sie aus dem Land und für das Land geschaffen wurden, um füreinander zu sorgen* (OGPUFFIN auf Reddit). Indigene, die den Begriff Eigentum zwar kennen, denen diese Art der Vereinnahmung in Form von Besitztümern, Verschwendung oder übermäßigen Produkteigentum relativ fremd ist. Sie lehnen Besitz als Ungerechtigkeit gegenüber ihren Mitmenschen ab und strengen sich an, dass ihr Leben auf der von ihnen bewohnten Erde wirklich lebenswert ist und jedem Einzelnen Glück und Zufriedenheit bringt. Wer David Graebers Werk über eine andere Geschichte der Menschen gelesen hat oder die Schriften Amartya Kumar Sen, der sagte: Um unseren Nachkommen mindestens den gleichen Entscheidungsspielraum zu geben wie wir ihn haben, müssen wir Verantwortung für unsere Hinterlassenschaft hinsichtlich der Umwelt übernehmen. Das bedeutet für Amartya Sen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung auch ein vernünftiges und wirksames Eingreifen in natürliche Prozesse.
In Deutschland werden inzwischen 256 Milliardäre gezählt. Der allereichste Krösus heißt Reinhold Würth besitzt fast 42 Milliarden, ist Unternehmer und einer derjenigen, die sich bislang nicht sträuben, vielleicht noch vor seinem Tod zumindest einen großen Teil seines Vermögens der Allgemeinheit zukommen zu lassen. Er führt ein sehr großes Unternehmen und ist mit seinen Produkten unangefochtener Weltmarktführer. Seine Leidenschaft ist die Kunst und er besitzt eine der wertvollsten Kunstsammlungen in der Welt sowie ließ er einige Museen in Süddeutschland und im benachbarten Ausland bauen. Dieser Mann erwirtschaftete seinen Reichtum (nach mir bekannten Quellen) aus eigenem Antrieb und schuf ein Imperium. Trotzdem ist er nicht bereit, der Solidargemeinschaft 90 Prozent seines Besitzes für soziale Zwecke zu überlassen.
Anders sieht es bei den Erben des Quandt-Vermögens aus: Den beiden BMW-Erben Stefan Quandt und Susanne Klatten gehören ca. 36 Milliarden Euro. Ihr Familienvermögens geht auf den Urgroßvater zurück, der Ende des 19. Jahrhunderts als Tuchfabrikant den Grundstein für das Vermögen legte. Der Großvater profitierte als Unterstützer der Kriegsmarine sowie mit Aktien in der Krise nach dem 1. Weltkrieg. Er war von Beginn an Geldgeber der NSDAP. Übrigens waren die Quandts forsche Nazis und hegörten sogar verwandtschaftlich zum Goebbels-Clan, der sich 1945 selbst auslöschte. Im 2. Weltkrieg beteiligte sich die Familie an der kriminellen Enteignung jüdischen Eigentums und beutete in ihren Fabriken Zwangsarbeiter aus. Sie weigern sich mit fadenscheinigen juristischen Winkelzügen den Staat und der damit verbundenen Solidargemeinschaft einen großen Teil ihres Vermögens zu überlassen, um die marode strukturelle Entwicklung des Landes zu unterstützen und vermeiden es, den von der internationalen Krise schwer getroffenen notleidenden kleinen und mittleren Mittelstandsunternehmen wieder auf die Beine zu helfen. Ihr Geld könnte Bildung und Wissenschaft massiv unterstützen, wichtigen deutschen StartUps Anschubleistung leisten und sich an der Konsolidierung der Wirtschaft zu beteiligen. Gegenteiliges ist mir nicht bekannt geworden. Ihr Anteil an Steuerzahlung ist so gering als würde ein mittlerer Lohnempfänger anstatt 30% nur 5 Euro zahlen.
Der Dämon des Besitzes verpestet alles, was er berührt. Ein Reicher will überall den Herren spielen und befindet sich nirgends wohl, wo er ist. So ist er genötigt, stets vor sich selbst auf der Flucht zu sein.
Jean Jacques Rousseau
Als die ersten Missionare nach Afrika kamen, besaßen sie die Bibel und wir das Land. Sie forderten uns auf, zu beten. Und wir schlossen die Augen. Als wir sie wieder öffneten, war die Lage genau umgekehrt: Wir hatten die Bibel und sie das Land.
Desmond Tutu
Eigentum ist Diebstahl
Pierre-Joseph Proudhon